Die Umsetzung der Packaging and Packaging Waste Regulation (PPWR) ist für viele Unternehmen aktuell ein großes Thema – vor allem für Hersteller, Händler und Importeure. Ein praxisnaher Fahrplan kann helfen:
1. Betroffenheit klären
Zuerst musst du verstehen, ob und wie stark dein Unternehmen betroffen ist:
- Stellst du Verpackungen her oder nutzt sie?
- Bringst du Produkte in der EU in Verkehr?
- Nutzt du Transport-, Verkaufs- oder Serviceverpackungen?
Fast alle Unternehmen mit physischen Produkten sind betroffen.
2. Verpackungsinventar erstellen
Erfasse alle eingesetzten Verpackungen systematisch:
- Material (Kunststoff, Papier, Glas etc.)
- Gewicht & Volumen
- Verwendungszweck (Primär-, Sekundär-, Transportverpackung)
- Recyclingfähigkeit
Ergebnis: vollständige Transparenz über deinen Verpackungs-Footprint.
3. PPWR-Anforderungen analysieren
Wichtige Themen der Verordnung:
- Recyclingfähigkeit (Design for Recycling)
- Mindest-Rezyklatanteile (v. a. bei Kunststoff)
- Reduktion von Verpackungsvolumen
- Wiederverwendbarkeit (Reuse-Quoten)
- Kennzeichnungspflichten
- Verbot bestimmter Verpackungsarten
Hier lohnt sich ggf. eine Gap-Analyse: Wird die Anforderungen schon erfüllt – wo nicht?
4. Maßnahmen definieren
Leite konkrete Schritte ab:
- Verpackungen reduzieren oder optimieren
- Materialien umstellen (z. B. auf Monomaterialien)
- Rezyklate einsetzen
- Mehrwegkonzepte prüfen
- Lieferanten einbinden
Quick Wins zuerst umsetzen (z. B. unnötige Verpackung entfernen).
5. Daten & Reporting aufsetzen
PPWR verlangt mehr Transparenz und Nachweise:
- Materialdaten systematisch erfassen
- CO₂- und Recyclingdaten dokumentieren
- IT-Systeme oder Tools nutzen
Ziel: auditfähige Datenbasis.
6. Prozesse & Organisation anpassen
- Verantwortlichkeiten definieren (z. B. Sustainability/Packaging Lead)
- Einkauf, Entwicklung und Logistik einbinden
- Schulungen durchführen
PPWR ist kein Einzelprojekt, sondern betrifft viele Abteilungen.
7. Partner & Lieferkette einbeziehen
- Lieferanten nach Materialdaten fragen
- Verpackungshersteller einbinden
- Entsorger/Recyclingpartner konsultieren
Ohne Lieferkette geht es nicht.
8. Roadmap & Zeitplan erstellen
- Kurzfristig: Transparenz & Quick Wins
- Mittelfristig: Verpackungsdesign ändern
- Langfristig: Mehrweg & Kreislaufsysteme
- Plan mit Blick auf die kommenden Jahre – viele Anforderungen treten gestaffelt in Kraft.
- Verpackungsbestand erfassen: Welche Verpackungen werden verwendet oder in Verkehr gebracht?
- Verpackungen kategorisieren: Welche davon sind Verkaufs-, Transport-, Service-, Um- oder E-Commerce-Verpackungen?
- Verantwortlichkeiten klären: Ist das Unternehmen „Erzeuger“, „Hersteller“ oder beides?
- Materialien prüfen: Welche Materialien und Materialkombinationen kommen zum Einsatz – und welche sind recyclingfähig?
- Lieferantendaten einfordern: Welche Informationen liegen zu Materialzusammensetzung, Rezyklatanteilen und Recyclingfähigkeit vor?
- Mehrwegpotenziale untersuchen: Wo lässt sich Einweg durch wiederverwendbare Lösungen ersetzen?
- Verpackungen neu denken: Wo lässt sich Material einsparen, Gewicht reduzieren, Leerraum verringern oder recyclinggerechter gestalten?
Der Fahrplan bis 2040
Die PPWR ist kein Gesetz mit einem einzigen Stichtag, sondern ein mehrjähriger Fahrplan. Wann einzelne Anforderungen genau greifen, hängt teilweise davon ab, wann die vorgesehenen delegierten Rechtsakte und Durchführungsrechtsakte der EU-Kommission in Kraft treten.
- 12.08.2026: PPWR gilt grundsätzlich; zahlreiche Anforderungen und neue Rollen werden relevant
- 2027: neue Datenmeldungen, weitere EPR-Anforderungen
- 2028: weitere Kennzeichnungs- und Informationsanforderungen
- 2030: Anforderungen an Recyclingfähigkeit, Rezyklate, Verpackungsminimierung und Wiederverwendung
- 2035: Anforderungen an „Recycling at Scale“ werden relevant
- 2038: nur noch Verpackungen der Klassen A oder B dürfen grundsätzlich in Verkehr gebracht werden
- 2040: weitere Verschärfung bei Rezyklat- und Wiederverwendungsquoten